Viele Kinder können in Klasse 3 und 4 bereits flüssig lesen. Trotzdem fällt es ihnen noch schwer, den Inhalt eines Textes sicher zu erfassen, Zusammenhänge zu erkennen oder Antworten mit passenden Textstellen zu begründen.
Genau an diesem Punkt verändert sich die Leseförderung in der Grundschule: Aus dem reinen Lesenlernen wird zunehmend ein Lernen durch Lesen.
Gutes Leseverständnis entwickelt sich dabei nicht allein durch möglichst viele Texte. Kinder brauchen regelmäßige Leseanlässe und Aufgaben, die sie zum genauen Lesen, Ordnen, Begründen und Weiterdenken anregen.
Leseverständnis bedeutet, einen Text nicht nur zu entziffern, sondern seinen Inhalt aktiv zu erfassen und weiterzuverarbeiten.
Kinder sollen zunehmend lernen,
wichtige Informationen gezielt zu finden,
zeitliche Abläufe zu erkennen,
Zusammenhänge herzustellen,
unbekannte Wörter aus dem Kontext zu erschließen,
Antworten mit Textstellen zu belegen,
Inhalte in eigenen Worten wiederzugeben und
Schlussfolgerungen aus dem Gelesenen zu ziehen.
Diese Fähigkeiten sind nicht nur für den Deutschunterricht wichtig. Auch Sachaufgaben in Mathematik, Arbeitsaufträge im Sachunterricht oder schriftliche Erklärungen in anderen Fächern setzen voraus, dass Kinder Informationen sicher verstehen können.
Viele Aufgaben zum Leseverständnis prüfen vor allem, ob Kinder einzelne Informationen im Text wiederfinden.
Das ist wichtig – bildet aber nur einen Teil des Leseverstehens ab.
Anspruchsvoller wird es, wenn Kinder beispielsweise überlegen müssen:
Warum handelt eine Figur so?
Welche Information ist besonders wichtig?
Woran erkennst du deine Antwort?
Wie hängen zwei Informationen zusammen?
Was steht nicht ausdrücklich im Text, lässt sich aber daraus erschließen?
Ein gutes Lesetraining kombiniert deshalb Aufgaben zur Informationsentnahme mit Aufgaben zum Ordnen, Verknüpfen, Begründen und Schlussfolgern.
Schon vor dem Lesen können Kinder überlegen, was sie über das Thema wissen.
Eine Überschrift, ein Bild oder einige ausgewählte Begriffe reichen häufig als Impuls.
Hilfreiche Fragen sind:
Worum könnte es in dem Text gehen?
Was weißt du bereits über das Thema?
Was möchtest du darüber erfahren?
Vorwissen erleichtert es, neue Informationen einzuordnen.
Beim Lesen können zentrale Informationen markiert werden – beispielsweise Personen, Orte, Zeitangaben, wichtige Ereignisse oder Fachbegriffe.
Dabei sollte nicht möglichst viel markiert werden. Entscheidend ist die Frage:
Welche Information brauche ich, um den Text zu verstehen oder die Aufgabe zu lösen?
So lernen Kinder, Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden.
Bei längeren Lesetexten hilft es, den Inhalt abschnittsweise zu sichern.
Nach einem Abschnitt können die Kinder beispielsweise den Satz ergänzen:
„In diesem Abschnitt geht es darum, dass …“
Auch eine passende Zwischenüberschrift kann helfen. Dadurch müssen die Kinder den Inhalt erfassen und in eigenen Worten wiedergeben.
Eine besonders hilfreiche Anschlussfrage lautet:
„Woran erkennst du das im Text?“
Weitere Möglichkeiten sind:
Welche Textstelle hilft dir?
Wo findest du einen Hinweis?
Begründe deine Antwort mit Informationen aus dem Text.
So wird aus einer einfachen Verständnisfrage eine Aufgabe zum genauen und textbezogenen Lesen.
Nicht jedes unbekannte Wort muss sofort erklärt werden.
Kinder können zunächst versuchen, seine Bedeutung aus dem Zusammenhang zu erschließen:
Lies den Satz noch einmal.
Betrachte die Wörter davor und danach.
Überlege, welche Bedeutung passen könnte.
Prüfe deine Vermutung im Satz.
Dadurch werden Wortschatz, Selbstständigkeit und Textverständnis gleichzeitig gefördert.
Abwechslungsreiche Aufgaben sprechen unterschiedliche Bereiche des Leseverstehens an.
Geeignet sind beispielsweise:
Informationen im Text finden,
Aussagen als richtig oder falsch bewerten,
Ereignisse in die richtige Reihenfolge bringen,
Personen und Informationen zuordnen,
passende Überschriften auswählen,
Tabellen ergänzen,
Fragen in ganzen Sätzen beantworten,
Textstellen als Beleg nennen,
Ursachen und Folgen erklären und
Schlussfolgerungen ziehen.
Auch Multiple-Choice-Aufgaben können sinnvoll sein. Sie sollten jedoch nicht die einzige Aufgabenform bleiben.
Eine gute Mischung beginnt häufig mit der direkten Informationsentnahme und führt anschließend zu anspruchsvolleren Aufgaben.
Gerade in Klasse 3 und 4 unterscheiden sich Lesetempo, Wortschatz und Textverständnis innerhalb einer Lerngruppe deutlich.
Differenzierung muss dabei nicht bedeuten, für jedes Kind einen anderen Text bereitzustellen.
Schon kleine Hilfen können unterstützen:
überschaubare Textabschnitte,
ausgewählte Worterklärungen,
klare Absätze,
Satzanfänge als Schreibhilfe,
reduzierte Antwortmöglichkeiten oder
Partnerlesen.
Stärkere Leserinnen und Leser können dagegen weiterführende Aufgaben erhalten. Sie können beispielsweise Zusammenhänge erklären, eigene Fragen entwickeln oder Antworten mit mehreren Informationen aus dem Text begründen.
Für die Leseförderung eignen sich sowohl Geschichten als auch Sachtexte.
Geschichten ermöglichen es, Handlungsabläufe nachzuvollziehen, Gefühle und Motive von Figuren zu untersuchen und Vermutungen über den weiteren Verlauf anzustellen.
Sachtexte verbinden dagegen Lesetraining und Wissensaufbau. Themen wie Tiere, Natur, Länder, Jahreszeiten oder Berufe können dazu beitragen, dass Kinder lesen, um tatsächlich etwas Neues zu erfahren.
Eine Mischung verschiedener Textarten hilft dabei, unterschiedliche Lesestrategien aufzubauen.
Das Leseverständnis in Klasse 3 und 4 entwickelt sich nicht allein dadurch, dass Kinder möglichst viele Texte lesen.
Entscheidend ist, wie sie sich mit dem Gelesenen auseinandersetzen.
Informationen finden, Inhalte ordnen, Zusammenhänge erkennen, Schlussfolgerungen ziehen und Antworten begründen trainieren unterschiedliche Ebenen des Textverständnisses.
Regelmäßige, überschaubare Leseeinheiten mit abwechslungsreichen Aufgaben schaffen dafür gute Voraussetzungen.
Gerade saisonale Themen bieten sich für regelmäßige Leseanlässe an und lassen sich gut mit Inhalten aus dem Sachunterricht verbinden.
Im Herbst-Materialpaket von Leitlicht finden sich 25 Lesetexte rund um Herbstgeschichten, den Igel, stürmisches Wetter, den Wald und verschiedene Tiere im Herbst. Dazu gehören insgesamt 200 Aufgaben sowie vollständige Lösungen und Erwartungshorizonte.
Die Aufgaben greifen unterschiedliche Bereiche des Leseverständnisses auf und das Material kann sowohl im Deutsch- als auch im Sachunterricht eingesetzt werden.
→ Herbst – 25 Lesetexte mit 200 Aufgaben & Lösungen | Klasse 3–4
Regelmäßige Lesetexte, das gezielte Suchen nach Informationen, das Ordnen von Inhalten und das Begründen von Antworten helfen dabei, Leseverständnis schrittweise aufzubauen. Die Aufgaben sollten nicht ausschließlich Antworten abfragen, die wortwörtlich im Text stehen.
Geeignet sind unter anderem Richtig-falsch-Aufgaben, Zuordnungen, Reihenfolgen, offene Fragen, Textbelege sowie Aufgaben zu Ursachen, Folgen und Schlussfolgerungen.
Worterklärungen, kürzere Textabschnitte, Satzanfänge oder reduzierte Antwortmöglichkeiten können unterstützen. Stärkere Kinder können zusätzliche Begründungs-, Transfer- oder Schreibaufgaben erhalten.
Geeignet sind altersgerechte Texte mit klarer Struktur, verständlicher Sprache und interessanten Themen. Sowohl Geschichten als auch Sachtexte können für das Lesetraining eingesetzt werden.
Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.