«Bis Freitag lernt ihr die Wörtli und die Umgebungskarte.» Ein Satz, wie er tausendfach in Schweizer Schulzimmern fällt – auch bei mir. Aber irgendwann in meinem Berufsalltag ist mir aufgefallen, was in diesem Satz fehlt: das Wie. Wir sagen Kindern ständig, dass sie lernen sollen. Aber wann zeigen wir ihnen eigentlich, wie das geht?
Die stille Annahme, die viele Kinder zurücklässt
Im Schulalltag steckt eine unausgesprochene Annahme: Lernen können Kinder einfach. Als wäre es wie Atmen. Die Realität sieht anders aus. Die einen schreiben Wörtli dreimal ab und können sie trotzdem nicht. Die anderen lesen den NMG-Text fünfmal durch und wissen am Schluss nicht, was drinstand. Und viele beginnen am Abend vor der Prüfung – nicht aus Faulheit, sondern weil ihnen niemand gezeigt hat, wie man sich eine Woche einteilt.
Das Ergebnis kenne ich aus unzähligen Elterngesprächen: «Wir haben doch so viel geübt zuhause!» Ja – aber oft mit Methoden, die nachweislich wenig bringen. Blosses Durchlesen zum Beispiel fühlt sich nach Lernen an, bleibt aber kaum hängen.
Warum das Thema im Alltag untergeht
Ich mache hier niemandem einen Vorwurf – mir selbst am wenigsten. Der Stundenplan ist voll, der Lehrplan auch, und Lernstrategien haben kein eigenes Fach und keine eigene Lektion im Stundenplan. Also gehen sie zwischen Mathe, Deutsch und NMG unter. Dabei sagt der Lehrplan 21 eigentlich klar, dass überfachliche Kompetenzen – und dazu gehört das Lernen selbst – systematisch aufgebaut werden sollen. In der Praxis bleibt es oft bei gut gemeinten Einzeltipps: «Mach dir doch Kärtchen.» Ein Tipp ist aber noch keine Strategie.
Was Kinder wirklich brauchen
Aus meiner Erfahrung – und die Lernforschung bestätigt das – brauchen Kinder vor allem drei Dinge:
Erstens: konkrete Techniken statt Appelle. Nicht «lern besser», sondern: Wie funktioniert die Kärtchen-Methode? Wie fasse ich einen Text so zusammen, dass ich ihn verstehe? Wie frage ich mich selbst ab?
Zweitens: Planung als erlernbare Fähigkeit. Eine Prüfung in einer Woche bedeutet: heute anfangen, in kleinen Portionen, mit Wiederholungen. Das kann man einer Fünftklässlerin beibringen – aber man muss es tun.
Drittens: das Nachdenken über das eigene Lernen. Was hat bei der letzten Prüfung funktioniert? Was nicht? Kinder, die sich diese Fragen stellen, werden Schritt für Schritt selbstständiger – genau das, was sie spätestens ab der Oberstufe dringend brauchen.
Das Schöne daran: Lernstrategien sind kein Zusatzstoff, der Zeit frisst. Sie geben Zeit zurück – weil das Üben wirksamer wird, zuhause wie in der Schule.
Ein kleiner Anfang genügt
Es braucht kein neues Fach. Eine Lektion pro Woche über ein Quartal, in der das Lernen selbst Thema ist, verändert bereits viel. Wer dafür nicht alles selbst zusammensuchen möchte: Genau dafür habe ich «Clever Lernen» entwickelt – ein Arbeitsheft für die 5. und 6. Klasse mit sechs Strategiebereichen, von der Wochenplanung über Merktechniken bis zur Prüfungsvorbereitung. Mit Theorie in kindgerechter Sprache, Übungen zum direkten Anwenden und einem Teil für die Lehrperson. Fixfertig, damit du morgen damit starten kannst – du findest es in meinem Shop.
Denn das vielleicht wertvollste Geschenk, das wir unseren Schülerinnen und Schülern machen können, ist nicht ein weiteres Arbeitsblatt. Es ist die Fähigkeit, sich selbst etwas beizubringen – ein Leben lang.
Herzlich, Anita von Coaching Lustenberger
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