Hummel oder Schmeißfliege

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Hummel oder Schmeißfliege?

Vor vielen tausend Jahren, irgendwo in der Steinzeit: eine Lichtung, die Sonne steht tief. Zwei Menschen hocken am Rand - nennen wir sie Grog und Nok. Da: ein Rascheln im Gebüsch.

Grog denkt: „Jippi, Tarzan kommt spielen!" Ein Haps - und Grog ist weg.

Nok denkt: „Scheiße. Säbelzahntiger. Nix wie weg." Nok rennt. Und Nok überlebt.

Rate, von wem wir abstammen. Genau - von den Noks.

Noks Gehirn steckt bis heute in uns. Es hält Ausschau nach dem einen, das gefährlich werden könnte - und lässt uns nicht mehr los. Fachleute nennen das Negativitätsverzerrung. Ein Erbe, Fluch und Segen zugleich: Es hat Nok das Leben gerettet. Nur - der Säbelzahntiger ist längst Geschichte. Geblieben ist der Reflex, überall einen zu wittern. Im krummen A in der Zeile. Im verpatzten Test. Alles Säbelzahntiger - nur kleiner.

Die gute Nachricht: Wir haben einen Wahrnehmungsfilter. Und der ist unsere Chance, den Blick zu drehen. Denn in jeder Sekunde stürmen Millionen Eindrücke auf uns ein: Rascheln, Rot, Stimmen, Wurstbrot. Durchlassen können wir nur eine Handvoll. Der Rest fliegt raus. Unser Gehirn ist ein Türsteher, der pausenlos entscheidet, wer rein darf.

Die Frage ist bloß: Wonach sucht er? Stell dir zwei Insekten vor, dieselbe Wiese. Die Schmeißfliege sucht den Mist und findet ihn. Die Hummel sucht die Blüte und findet sie. Beide kriegen, wonach sie gesucht haben. Beide auf derselben Wiese.

Mit deinem Filter entscheidest du, was du wahrnimmst. Ob du auf einem Misthaufen sitzt - oder mitten in der Blumenwiese.

Und jetzt der Punkt: Dein Filter entscheidet auch, wie du ein Kind siehst - sein Verhalten, seine Ergebnisse, das, was es dir zeigt. Suchst du zuerst die Fehler, findest du sie. Immer. Und weil das Kind sich mit deinen Augen sieht, bleibt bei ihm hängen: Ich bin nicht gut genug. Also frag dich: Was hat das Kind davon, wenn du nur den Mist siehst, den es gebaut hat?

Fehler übersehen? Auf keinen Fall. Einmal hinschauen lohnt sich - Mist ist der beste Dünger. Aber wir bleiben nicht kleben. Aus dem Fehler ziehen wir die nächste Blüte.

Und es gibt so viel Blüte zu sehen: wie viel Mühe in einer krakeligen Zeile steckt. Was das Kind letzte Woche noch nicht konnte und heute schon kann. Wie es weitermacht, obwohl es schwer ist.

Schau auf deine Blumenkinder - und sei eine Hummel.

Mein Material? SMART LERN CODE. Und der blüht. Versprochen.

Tags: anfangsunterricht

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