Lerncoaching in der Schule – Mehr als nur Lernen lernen

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Viele Schülerinnen und Schüler investieren viel Zeit in das Lernen – und erzielen dennoch nicht die Ergebnisse, die sie sich wünschen. Andere scheinen ihr Potenzial gar nicht erst auszuschöpfen, verlieren schnell die Motivation oder wissen schlicht nicht, wie sie sinnvoll an Aufgaben herangehen können.

Als Lehrkräfte kennen wir diese Situationen nur zu gut. Häufig wird dann nach neuen Übungsformaten, zusätzlichen Erklärungen oder weiteren Arbeitsblättern gesucht. Doch manchmal liegt die eigentliche Herausforderung gar nicht im Lernstoff selbst, sondern im Lernen.

Genau hier setzt das Lerncoaching an.

Was ist Lerncoaching? Und was ist es nicht!

Lerncoaching ist eine ressourcenorientierte Begleitung von Lernenden mit dem Ziel, sie dabei zu unterstützen, ihren eigenen Lernprozess bewusst wahrzunehmen, zu reflektieren und selbstständig zu gestalten. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Vermittlung fachlicher Inhalte, sondern die Entwicklung von Kompetenzen, die erfolgreiches Lernen überhaupt erst ermöglichen. Anders als klassische Nachhilfe beantwortet Lerncoaching also nicht die Frage: „Wie löse ich diese Aufgabe?", sondern vielmehr:

  • Wie gehe ich grundsätzlich an Lernaufgaben heran?

  • Welche Strategien funktionieren für mich?

  • Was hindert mich am Lernen?

  • Wie kann ich meine Ziele erreichen?

Lerncoaching verfolgt damit einen nachhaltigen Ansatz: Schülerinnen und Schüler entwickeln Fähigkeiten, die sie weit über ein einzelnes Unterrichtsfach hinaus nutzen können, um die Grundlage für erfolgreiches Lernen zu erlangen. Damit eng verbunden sind die metakognitiven Strategien, also die Strategien, um das eigene Lernen im Blick zu behalten, zu reflektieren und zu verändern. Lerncoaching ist somit ein Instrument, um den Schülerinnen und Schülern Lernstrategien aufzuzeigen und ein lebenslanges Lernen zu ermöglichen.

Und ja: Ich bin mir bewusst, dass "Coaching" bzw. "Coach" mittlerweile Begriffe sind, mit denen nicht jeder positive Erfahrungen gemacht hat. Da der Begriff "Coach" nicht geschützt ist, darf sich prinzipiell jeder Mensch Coach nennen und sich als Berater für jede Lebenssituation ausgeben. Darum soll es hier aber nicht gehen. Ich spreche dabei von einer professionellen Lernbegleitung, die den Schülerinnen und Schülern Hilfestellung gibt, durch die sie ein persönliches Lernverhalten entwickeln und Erfolge erzielen können.

Gleichzeitig soll auch der Beruf des Lehrers bzw. der Lehrerin nicht an Bedeutung verlieren. Die Aufbereitung der Fächer- und Themeninhalte, die Erstellung von Lerneinheiten und -materialien sowie die Vermittlung und das Unterrichten von Inhalten werden auch im selbstorganisierten Lernen immer eine entscheidende Rolle spielen. Vielmehr soll das Lerncoaching das Repertoire guter Lehrkräfte erweitern und so zu noch größerem Lernerfolg bei den Schülerinnen und Schülern führen.

Warum gewinnt Lerncoaching zunehmend an Bedeutung?

Die Anforderungen an Lernende haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Selbstständiges Arbeiten, eigenverantwortliches Lernen, individuelle Förderung und der Umgang mit einer Vielzahl an Informationen gehören heute selbstverständlich zum Schulalltag. Gleichzeitig fällt vielen Schülerinnen und Schülern genau diese Selbststeuerung schwer. Sie wissen oft nicht,

  • wie sie ihren Lernprozess strukturieren

  • wie sie realistische Ziele formulieren

  • wie sie motiviert bleiben

  • oder wie sie aus Fehlern lernen können

Lerncoaching bietet hierfür einen systematischen Rahmen. Es stärkt die Selbstlernkompetenz und unterstützt Schülerinnen und Schüler dabei, Verantwortung für ihren eigenen Lernweg zu übernehmen.

Welche Themen gehören zum Lerncoaching?

Lerncoaching umfasst zahlreiche Bereiche, die eng miteinander verknüpft sind. Je nach Lernendem können unterschiedliche Schwerpunkte sinnvoll sein.

1. Ziele setzen

Viele Lernende arbeiten ohne klares Ziel. Lerncoaching hilft dabei, erreichbare und motivierende Ziele zu formulieren und den Weg dorthin in überschaubare Schritte zu unterteilen.

2. Den Lernprozess strukturieren

Ein häufiger Stolperstein ist fehlende Organisation. Wie plane ich meine Lernzeit? Wie beginne ich überhaupt? Welche Aufgaben haben Priorität? Eine gute Struktur schafft Orientierung und reduziert Überforderung.

3. Motivation entwickeln und erhalten

Motivation ist weit mehr als bloße Lust aufs Lernen. Im Lerncoaching geht es darum, persönliche Beweggründe zu erkennen, Erfolge sichtbar zu machen und Strategien zu entwickeln, um auch schwierige Lernphasen erfolgreich zu bewältigen.

4. Lernstrategien bewusst einsetzen

Nicht jede Methode passt zu jedem Lernenden. Lerncoaching unterstützt Schülerinnen und Schüler dabei, verschiedene Strategien kennenzulernen, auszuprobieren und diejenigen auszuwählen, die wirklich zu ihnen passen.

5. Reflexion fördern

Ein zentraler Bestandteil des Lerncoachings ist die regelmäßige Reflexion.

Fragen wie

  • Was hat heute gut funktioniert?

  • Wo hatte ich Schwierigkeiten?

  • Was möchte ich beim nächsten Mal anders machen?

helfen dabei, den eigenen Lernprozess kontinuierlich weiterzuentwickeln.

6. Selbstwirksamkeit stärken

Viele Schülerinnen und Schüler zweifeln an ihren eigenen Fähigkeiten. Lerncoaching unterstützt sie dabei, eigene Fortschritte wahrzunehmen und Vertrauen in die eigene Kompetenz zu entwickeln. Wer erlebt, dass das eigene Handeln einen Unterschied macht, geht Herausforderungen langfristig selbstbewusster an.

Lerncoaching ist keine zusätzliche Aufgabe – sondern eine Investition

Im hektischen Schulalltag entsteht schnell der Eindruck, für Lerncoaching fehle schlicht die Zeit - und das stimmt auch. Ich kenne keinen Lehrer und keine Lehrerin, die die Zeit haben, im Schulalltag längere Coachinggespräche mit ihren Schülerinnen und Schülern zu führen. Tatsächlich können aber auch kleine, gut vorbereitete Impulse im Unterricht dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schülern ihren Lernprozess bewusster gestalten. Solche Impulse möchte ich euch in den kommenden Beiträgen an die Hand geben und vorstellen, damit ihr Lerncoaching möglichst unkompliziert und schnell in eurem Unterricht etablieren könnt.

Die Erfahrung zeigt: Schülerinnen und Schüler, die wissen, wie sie lernen können, arbeiten langfristig selbstständiger, übernehmen mehr Verantwortung und benötigen häufig weniger Unterstützung bei organisatorischen Fragen. Lerncoaching versteht sich deshalb nicht als Zusatzprogramm, sondern als wichtiger Bestandteil moderner Unterrichtsentwicklung.

Diese Blogreihe - Der Auftakt rund um erfolgreiches Lernen

Mit diesem Beitrag startet eine mehrteilige Blogreihe rund um das Thema Lerncoaching.

In den kommenden Wochen werden wir uns jeweils einem zentralen Baustein widmen und dabei sowohl theoretische Hintergründe als auch konkrete Impulse für den Unterricht vorstellen.

Unter anderem erwarten euch Beiträge zu:

  • Lernziele sinnvoll formulieren

  • Lernprozesse strukturieren

  • Motivation fördern

  • Reflexion im Unterricht etablieren

  • Selbstständigkeit und Eigenverantwortung stärken

  • Lernstrategien gezielt entwickeln

  • Coachinggespräche im Schulalltag führen

Jeder Beitrag soll dabei nicht nur Hintergrundwissen vermitteln, sondern vor allem zeigen, wie sich Lerncoaching ohne großen Mehraufwand in den Unterricht integrieren lässt.

Ich freue mich auf eure Rückmeldungen, Kommentare und Ideen.

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