Ein Erfahrungsbericht von ReliVibes | Mai 2026
Es war ein ganz normaler Montag. Ich komme in meine Klasse – 8. Jahrgangsstufe, Förderschule Lernen – und noch bevor ich „Guten Morgen“ sagen kann, fragt mich Lena:
„Hat Trump wirklich den Papst beleidigt?“
Ja, hat er. Und nein, ich hatte das nicht geplant. Aber in diesem Moment wusste ich: Das interessiert meine SuS, das nehme ich mit in den Unterricht.
Falls du es noch nicht mitbekommen hast: Im Frühjahr 2026 eskalierte der Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Leo XIV. öffentlich. Trump – der gerade einen Krieg im Iran führte – wurde von Leo XIV. scharf kritisiert. Nicht laut. Nicht polternd. Sondern klar und ruhig: Krieg ist falsch. Man muss reden, nicht kämpfen.
Trumps Reaktion auf Social Media:
🔴 „SCHWACH“ und „eine Katastrophe“.
Leos Antwort ein paar Tage später:
🔵 „Ich habe keine Angst. Ich sage, was das Evangelium sagt.“
Kurz danach flog Leo nach Afrika. Millionen Menschen jubelten ihm zu. Das ist keine Abenteuerlektüre. Das ist Weltpolitik. Und es ist genau das, worüber wir im Religionsunterricht sprechen sollten.
Ich arbeite seit Jahren an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Meine Schülerinnen und Schüler in Klasse 6 bis 9 sind keine Kinder mehr – aber sie werden oft wie Kinder behandelt. Das merken sie. Und das frustriert sie.
Was sie wollen, ist dasselbe, was alle Jugendlichen wollen: ernst genommen werden. Über echte Dinge sprechen. Über Dinge, die sie selbst in den Nachrichten sehen oder von Zuhause kennen.
Und hier liegt die pädagogische Stärke dieser Geschichte:
👥 Beide Personen kennen sie: Trump ist kein Unbekannter. Er ist omnipräsent – in den Nachrichten, auf TikTok, beim Abendbrottisch. Auch den Papst kennen viele zumindest vom Namen. Dieser Einstieg braucht keine lange Vorerklärung.
📍 Die Geschichte ist konkret: Es geht nicht um abstrakte Werte. Es geht um zwei echte Menschen, die echte Dinge gesagt haben. Datum, Zitat, Reaktion. Das können meine SuS fassen.
❤️ Das Thema trifft ihren Lebensalltag: Wer kennt das nicht: Jemand macht einen auf Platzhirsch, brüllt rum, beleidigt – und wirkt dabei irgendwie mächtig. Und dann gibt es Menschen, die ruhig bleiben, standhaft sind, nicht mitspielen. Welcher Weg braucht mehr Mut? Diese Frage brennt meinen Jugendlichen auf der Seele.
Ich höre manchmal von Kolleginnen: „Krieg und Frieden – ist das nicht zu schwer für unsere Klassen?“ Meine Gegenposition: Es ist zu wichtig, um es zu übergehen.
Der Lehrplan – in Bayern der LehrplanPLUS Förderschule Lernen – benennt explizit:
Miteinander leben (Frieden, Respekt)
Mut und Zivilcourage
Jesus und die Bergpredigt
Die Kirche in der Welt heute
Leo XIV. ist ein lebendiges Beispiel für all das. Hier ist nicht nur ein Bibelvers, der vor 2000 Jahren geschrieben wurde. Hier ist ein Mensch, der im April 2026 vor die Welt tritt und sagt: Ich habe keine Angst. Ich schweige nicht, wenn Unrecht passiert. Auch wenn der mächtigste Mann der Welt mich dafür beschimpft.
Das ist Bergpredigt. Live.
Ich habe für diese Einheit eine vollständige Unterrichtsreihe über vier Stunden entwickelt – mit drei Differenzierungsstufen, damit alle mitkommen.
Wir starten mit einem Bild von Trump und einem Bild vom Papst. Einstiegsfrage: „Wer kennt diese Person? Was wisst ihr schon?“ Dann lesen wir gemeinsam einen kurzen Infotext – laut, im Plenum, mit Erklärungen für schwierige Wörter. Anschließend sortieren die Schülerinnen und Schüler Ereignis-Karten in die richtige Reihenfolge.
Den Abschluss dieser Stunde macht eine anonyme Abstimmung: „Was braucht mehr Mut – laut schimpfen oder ruhig standhalten?“ Jeder schreibt seine Antwort auf einen Zettel. Die Zettel landen in einer Schachtel. Ich lese sie vor. Ohne Namen. Die Ergebnisse sind jedes Mal überraschend – und jedes Mal ehrlich.
Ich zeige Aussagen auf Karten: „Er ist SCHWACH.“ – „Ich habe keine Angst.“ – „Schweigen kann ich nicht.“ – „Das ist eine Katastrophe.“Die Schülerinnen und Schüler ordnen zu: Trump oder Leo? Und dann: Was sagt das über die Person aus?
Diese Stunde öffnet die Tür zu einer Gesprächsrunde über Sprache, Macht und Haltung – ohne dass ich moralisieren muss. Die SuS kommen selbst drauf.
Wir arbeiten mit der Bergpredigt (vereinfacht), mit dem Friedensauftrag der Kirche und mit der persönlichen Frage: Was würdest du tun? Schweigen oder reden?
Es gibt drei Dinge, die ich in meiner Arbeit mit Jugendlichen mit Förderbedarf Lernen immer wieder brauche:
Einen echten, greifbaren Gegenstand: Abstrakte Werte vermitteln sich nicht durch Erklären. Sie vermitteln sich durch Geschichten, Bilder, Beispiele. Trump und Leo sind greifbar. Sie sind real. Sie sind auf dem Bildschirm. Diese Realität macht den Unterschied.
Einen emotionalen Anker: Jugendliche lernen, wenn sie sich betroffen fühlen. Nicht überfordert – betroffen. Die Frage „Wer ist eigentlich stärker?“ trifft etwas in fast jedem Kind. Sie kennen die Erfahrung, klein gemacht zu werden. Sie kennen die Erfahrung, nicht zu wissen, wie man standhaft bleibt. Das öffnet Türen, die kein Lehrtext öffnet.
Differenzierung ohne Ausgrenzung: In meiner Klasse gibt es SuS, die kaum lesen können, und SuS, die – bei entsprechender Unterstützung – durchaus komplexe Zusammenhänge verstehen. Die Materialien arbeiten mit drei Niveaustufen parallel am selben Thema:
🟢 LEICHT: Bilder, Symbole, Lückentexte – kein flüssiges Lesen nötig
🔵 MITTEL: kurze Texte, einfache Fragen
🔴 WEITER: Begründungen, Bibelverbindungen, eigene Reflexion
Ich frage am Ende jeder Einheit: Was nimmst du mit?
👦 Ein Schüler (8. Klasse – Niveaustufe Mittel):„Ich finde Leo stärker. Weil er nicht weint und nicht schimpft. Er sagt einfach die Wahrheit.“
👦 Ein anderer Schüler (der die Einstiegsfrage stellte):„Trump hat mehr Macht. Aber Leo hat mehr Recht.“
Ich glaube, für diese Sätze mache ich diesen Job. ❤️
Ich habe die vollständige Unterrichtseinheit als Arbeitsmappe entwickelt – vier Stunden, drei Differenzierungsstufen, alle Arbeitsblätter, Lehrerhintergründe, Bibelverbindungen und Reflexionskarten.
🛒 Das Material findest du in meinem eduki-Shop unter: 👉 „Trump vs Leo XIV. – Krieg oder Frieden?“
Zielgruppe: Förderschule Lernen, Sekundarstufe I, Klasse 6–9
Fächer: Evangelische und Katholische Religionslehre, Ethik
Lehrplanbezug: LehrplanPLUS Bayern, Förderschwerpunkt Lernen
Wenn du das Material bereits nutzt oder Fragen zur Einheit hast: Schreib mir gerne auf Instagram oder per Mail. Ich freue mich über Rückmeldungen aus echten Klassenzimmern – denn genau dort entsteht das Beste.
Eure ReliVibes ✨🔗 eduki.com/de/autor/3097213/relivibes-1
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