
Wer im Schulalltag arbeitet, kennt diese Situation nur zu gut:
„Ich habe mein Heft vergessen.“
„Mein liniertes Heft ist zu Hause.“
„Ich finde mein Matheheft nicht mehr.“
Gerade in der Grundschule gehört das Vergessen einfach dazu. Materialien bleiben im Kinderzimmer liegen, werden beim Umräumen verlegt oder landen im falschen Fach des Ranzens. So ärgerlich das im ersten Moment auch sein kann – für viele Kinder ist das kein Zeichen von Unlust, sondern schlicht Teil eines Lernprozesses: Organisation will gelernt sein.
Vergessen ist kein böser Wille
Mit den Jahren habe ich gelernt, das Vergessen von Materialien anders zu betrachten.
Viele Kinder sind noch dabei, Strukturen aufzubauen:
den Schulranzen selbstständig zu packen
an Hausaufgaben zu denken
Materialien zu sortieren
Verantwortung für ihre Dinge zu übernehmen
Das gelingt nicht von heute auf morgen. Und manchmal hilft es mehr, Lösungen anzubieten als Vorwürfe zu machen.
Denn: Wenn ein Heft fehlt, bedeutet das oft Stress für das Kind – und gleichzeitig Unterbrechungen für den Unterricht.
Es gibt viele Strukturhilfen für den Klassenraum: eine Material-Notfball-Box, visualisierte Packlisten, Farb- oder Symbolsysteme (vermutlich eher für die Grundschule), Wochenplan-Checks und vieles mehr.
Ich stelle euch hier eine Methode vor, die sich für meine Klasse (mittlerweile Jahrgang 7) als sehr praktisch und tatsächlich hilfreich herausgestellt hat:
Eine kleine Ausleihstation im Klassenraum
Um die oben genannten Situationen entspannter zu lösen, habe ich vor einiger Zeit eine Ausleihstation für vergessene Hefte eingeführt.
In meiner Klasse gibt es seitdem eine feste Stelle, an der immer einige karierte und linierte Hefte bereitliegen. Wenn ein Kind sein Heft vergessen hat, kann es sich dort unkompliziert eines ausleihen.
Das funktioniert ganz einfach:
Das Kind nimmt sich ein passendes Heft (kariert oder liniert).
Es trägt sich in eine Liste ein:
Name
Art des Hefts (kariert oder liniert)
Ausleihdatum
In den nächsten Tagen bringt das Kind ein neues Heft mit und legt es zurück.
Dann wird das Rückgabedatum in der Liste ergänzt.
So bleibt alles übersichtlich – und gleichzeitig lernen die Kinder, Verantwortung zu übernehmen.
Was sich seitdem verändert hat
Seit ich diese Ausleihstation nutze, hat sich einiges positiv entwickelt:
Der Unterricht läuft ruhiger, weil fehlende Materialien kein großes Thema mehr sind.
Die Kinder fühlen sich sicherer, weil sie wissen, dass es eine Lösung gibt.
Die Verantwortung wächst, denn die Rückgabe funktioniert erstaunlich zuverlässig.
Vergessen wird nicht zum Problem.
Besonders schön finde ich, dass die Kinder mit der Zeit immer selbstständiger werden und kaum noch Erinnerungen nötig sind.
Damit die Ausleihstation wirklich funktioniert, habe ich dafür eine einfache, übersichtliche Liste erstellt, in die sich die Kinder selbstständig eintragen können.
Mir war wichtig, dass:
alles schnell ausfüllbar ist
die Kinder selbstständig arbeiten können
ich jederzeit den Überblick behalte
Aus dieser Idee ist schließlich auch ein kleines Material entstanden, das ich inzwischen regelmäßig nutze und weitergegeben habe.
Niemand ist perfekt und vergessen gehört zum Lernen dazu. 🙃
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