Ethik und Lehrerberuf miteinander vereinen

bbe60d44-d79e-47ba-9d02-5d659b16235e.png

Verschiedene Arten der Ethik:

Das Wort „Ethik“ stammt von dem griechischen Wort „ethos“ ab, was so viel wie „Charakter“ bedeutet [1].

Das Wort erfuhr einen Bedeutungswandel mit Aristoteles und wird heute in Verbindung zu moralischen Fragen und gutem Handeln gesehen [2]. Es gibt viele verschiedene Begriffe, die der Ethik untergeordnet sind wie zum Beispiel die Berufsethik, welche sich durch Integrität und Ehrlichkeit definiert, die normative Ethik, welche gerechtfertigte Normen und Werte untersucht. Oder auch die Metaethik, welche sich auf die Moral bezieht und sich mit Begriffen wie „gut“ und „böse“ auseinandersetzt [3].


Sollten Lehrer sich mit der Ethik auseinandersetzen?: 7025cbd1-f265-463a-848f-07ab45bfa0f7.png

Ja, auf jeden Fall. Ethik ist nicht nur ein Schulfach, sondern begleitet jeden Menschen ein Leben lang. Gerade Lehrer*innen müssen tagtäglich Entscheidungen treffen und werden mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Ein Grundverständnis der eigenen Ethik, der Normen und Werte zu haben, kann die Entscheidungsfindung erleichtern.

Kaur und Gaur (2023) meinen, dass wenn Lehrer*innen die Berufsethik verinnerlicht haben, sie eine gute Lehrqualität bieten können [4].


Neutralität und emotionale Beteiligung: f75857fe-56ed-4245-81d3-4c38b2bc8c07.png

Lehrer*innen interagieren in ihrem Job so gut wie jeden Tag mit Schüler*innen, Kolleg*innen und Eltern. Es kann zu Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen kommen und nicht selten müssen schwere Entscheidungen getroffen werden. Dementsprechend hat Yan (2025) die Frage gestellt, ob Lehrer*innen in ihrem Job neutral sein oder sich emotional am Geschehen beteiligen sollten. (Jedoch muss hierbei erwähnt werden, dass der Fokus hauptsächlich auf moral education - moralische Erziehung lag.)

Das Ergebnis war, dass manche Autor*innen die eigene Meinung von Lehrer*innen befürworten, denn so können die Schüler*innen kritischer und tiefer denken. Dennoch sollten die Wertvorstellungen der Fachkraft nicht als Ablenkung oder als Standard angesehen werden, sondern als Hilfestellung für mehr Diskussionen.

Allerdings sollte vorher eine stabile Lehrer*innen -Schüler*innen-Beziehung aufgebaut werden.

Auf der anderen Seite gibt es Autor*innen, die eine komplette Neutralität der Fachkraft befürworten. Hier stellt sich allerdings die Frage, inwieweit dies erfolgen kann. Schließlich können Lehrer*innen die Schüler*innen bewusst und unbewusst beeinflussen, beispielsweise durch das Unterrichtsthema und das eigene Verhalten.

Außerdem könnte eine vollständige Neutralität als diskriminierend angesehen werden, vor allem wenn über das Geschlecht, die soziale Stellung und die Herkunft gesprochen wird. Demnach kann es sein, dass Schüler*innen von ihren Eltern oder dem Umfeld in der Meinungsbildung beeinflusst werden und somit eine unethische Meinung bilden. Die Aufgabe der Lehrer*innen ist also nicht Neutralität zu bewahren, sondern Engagement zeigen und in die Diskussion mit einzusteigen [5].

 

Vorbereitung im Studium: ec6ae702-787b-4485-a0a5-16599b9ddd58.png

Es stellt sich die Frage, inwieweit Lehrer*innen in ihrem Studium auf die eigene Ethik aufmerksam gemacht werden.

Eine Studie in der Türkei hat gezeigt, dass allein ein Online Modul während des Studiums ausreicht, um das Denken von zukünftigen Lehrer*innen anzuregen.

Diese haben im Laufe des 14-wöchigen Kurses ihre Sichtweise und Einstellungen zu ethischen Dilemmata geändert sowie ihre Moralvorstellungen und philosophischen Urteile angepasst [6].

Um das Thema noch weiter zu betrachten, wurden zwei Personen aus meinem eigenen Freundeskreis befragt, die aktuell Lehramt studieren. Die zwei Personen studieren an zwei verschiedenen Universitäten in jeweils anderen Bundesländern.

Das Thema wurde mit folgenden Fragen eingeleitet: Hast du ein Modul zum Thema Ethik belegt während des Studiums? Kamen darin Werte und Moralvorstellungen gegenüber deinen Kolleg*innen, den Schüler*innen und dir selbst vor? Hat dir das Modul bei der Reflexion geholfen?

 

Auswertungda91674b-069f-4a96-9e77-7cd0621de8ac.png

Person A hat in Form einer WhatsApp Sprachnachricht geantwortet.
Das Thema Ethik ist wenig präsent im Studium, da es keine Module dazu gibt und dementsprechend können keine Methoden für den späteren Schulalltag mit an die Hand gegeben werden. „Da wird man recht wenig gelenkt in der Lehrer*innen Ausbildung“.

Gegenüber der eigenen Person wird man selten dazu angehalten über das eigene Handeln zu reflektieren, jedoch wird manchmal an die persönliche Gesundheit appelliert. Zudem wurde erwähnt, dass man im Praxissemester eher mit dem Thema Ethik konfrontiert wird, da man die Beziehung von Lehrer*innen und Schüler*innen beobachtet und somit das eigene Handeln hinterfragt.
Gerade als neue Fachkraft kann das eigene Handeln schnell infrage gestellt werden.

„Da gehen auch die Erwartungshaltungen deiner Kolleg*innen völlig auseinander. Also, es gibt dann Kolleg*innen die dann zu dir kommen und sagen: Okay, dein Verhältnis zu den Schülern ist zu locker.“

Person B hat in Form einer Textnachricht über WhatsApp geantwortet.
Einen Ethik-Kurs als Lehrer*in zu belegen ist keine Pflicht, und wird auch in der Form nicht angeboten. Es gibt ein Modul in den Ergänzungsstudien welches belegt werden kann und dem eines Ethik-Moduls recht nahekommt. Allerdings kann dieses Modul nicht jede Person belegen, da es begrenzte Sitzplätze gibt und diese schnell vergeben sind.

 

Abschlussgedanke: 74b0bd6b-a3c4-444f-a318-e8a7cc605bae.png

Die eigene ethische Einstellung zu kennen ist wichtig, egal in welchem Job man tätig ist. Schwere Entscheidungen müssen häufig getroffen werden, ob diese ethisch vertretbar sind und was das genau bedeutet, ist subjektiv. Einen Leitfaden für korrektes Verhalten gibt es nicht. Allerdings müssen ethische Dilemmata und die Entscheidungen nicht immer selbst bewertet und getroffen werden. Es ist okay nach Hilfe zu fragen und dementsprechend den „richtigen“ Weg zu finden.

 

Quellen

[1]    Uni Hamburg, „Ethik“. Zugegriffen: 24. März 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzeptg/l51/l5124.htm

[2]    Wikipedia, „Ethik“, Wikipedia. 17. Januar 2026. Zugegriffen: 24. März 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ethik&oldid=263404078

[3]    N. Scarano, „Metaethik - ein systematischer Überblick“.

[4]    H. Kaur und Prof. (Dr. ) R. Gaur, „A Study of Professional Ethics of Teachers in Higher Education“, Educ. Adm. Theory Pract., 2023, doi: 10.53555/kuey.v29i4.8827.

[5]    Y. Yan, „The Role of the Teacher in Moral Education: Neutrality and Emotional Involvement“, Lect. Notes Educ. Psychol. Public Media, Bd. 79, Nr. 1, S. 157–166, Jan. 2025, doi: 10.54254/2753-7048/2025.LC20537.

[6]    C. Albez, „Does Online Ethics Education Affect Pre-service Teachers’ Ethics Position? A Mixed-Method Study“.

Bild mit Canva erstellt. 

 





Tags: ethik, moral, ethik und moral , lehramt, lehramtsstudium, studie, wertvoll, wertvorstellungen, teamarbeit, reflexion, selbstreflexion, ethik selbstreflexion

Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.


Autor education_is_cool bietet 85 Materialien für Englisch, Geschichte und 2 weitere Fächer an - zum Beispiel:

Kommentare und Fragen von anderen Nutzern
Chloe&Coco
1. April 2026
So wichtig, danke für den Beitrag!
Bitte melde dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.
Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen.