
In meinem Video auf Instagram und YouTube spreche ich darüber, wie ich begonnen habe, meinen Unterricht bewusst an die Bedürfnisse neurodivergenter Kinder anzupassen. Mir ist es wichtig, Lernen so zu gestalten, dass alle Schüler*innen davon profitieren.
Neurodivergenz zeigt sich im Schulalltag auf ganz unterschiedliche Weise, zum Beispiel bei Kindern mit Autismus, ADHS, Legasthenie oder anderen neurologischen Besonderheiten. Diese Kinder brauchen keinen „Sonderunterricht“, sondern vor allem Rahmenbedingungen, die ihnen Orientierung, Sicherheit und Verlässlichkeit geben.
Gerade für neurodivergente Schüler*innen spielt Vorhersehbarkeit eine zentrale Rolle im Lernprozess. Viele von ihnen erleben Unsicherheit oder Stress, wenn Abläufe unklar, spontan verändert oder nicht transparent gemacht werden. Ein vorhersehbarer Unterrichtsrahmen hilft dabei, kognitive und emotionale Belastung zu reduzieren. Wenn Kinder wissen, was kommt, wie lange etwas dauert und was von ihnen erwartet wird, entsteht ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit – eine wichtige Grundlage, um überhaupt lernen zu können.
Ich habe einen ersten, ganz bewussten Schritt gewagt, um meinen Unterricht stärker an diese Bedürfnisse anzupassen. Dieser erste Schritt besteht darin, jede Unterrichtsstunde transparent und visuell darzustellen.
Für viele Kinder ist es enorm entlastend, zu wissen, wie eine Stunde aufgebaut ist. Unklarheit oder überraschende Übergänge können Stress auslösen – genau hier setze ich an. Ich gestalte meine Stunden so, dass der Ablauf klar strukturiert und jederzeit sichtbar ist.
Dafür habe ich für die digitale Tafel eine Art Präsentation erstellt, die den Unterricht Schritt für Schritt abbildet. Die Kinder können jederzeit sehen:
was wir bereits gemacht haben
was als Nächstes kommt
wie lange einzelne Phasen ungefähr dauern
wann Pausen oder Wechsel stattfinden
Diese visuelle Struktur soll den Kindern Sicherheit im Schulalltag geben und ihnen helfen, sich besser zu orientieren und zu regulieren. Sie müssen weniger Energie darauf verwenden, den Ablauf zu „erraten“, und können sich stärker auf das Lernen konzentrieren.

Ein weiterer Punkt ist mir dabei besonders wichtig: Differenzierung findet bei mir nicht nur für einzelne Kinder statt, sondern ist grundsätzlich allen Schüler*innen zugänglich. Ich gestalte meinen Unterricht so, dass unterschiedliche Zugänge, Tempi und Bedürfnisse von Anfang an mitgedacht werden.
Das hilft nicht nur Kindern mit diagnostizierter oder undiagnostizierter Neurodivergenz, sondern kommt der gesamten Lerngruppe zugute. Gleichzeitig entlastet dieser Ansatz auch mich als Lehrkraft. Statt ständig individuell reagieren zu müssen, arbeite ich präventiv mit klaren, flexiblen Strukturen. Das schont meine Kräfte und schafft ein Lernumfeld, in dem Vielfalt selbstverständlich ist.
Dieser Ansatz ist bewusst einfach gehalten – aber für mich ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu einem Unterricht, der mehr Klarheit, Verlässlichkeit und Inklusion bietet. Kleine Veränderungen im Unterrichtsdesign können eine große Wirkung entfalten – für die Kinder und für uns Lehrkräfte.
Zum Schluss nehme ich aus diesem ersten Schritt vor allem eines mit: Kleine Veränderungen können im Unterricht eine große Wirkung haben. Als Nächstes möchte ich meinen Blick besonders auf die Aufgabenstellungen richten – also darauf, wie Aufgaben in Schulbüchern formuliert sind oder auf Arbeitsblättern kommuniziert werden. Diese Art der Kommunikation ist gerade für neurodivergente Kinder sehr wichtig und kann entscheidend dafür sein, ob eine Aufgabe verstanden, begonnen und erfolgreich bearbeitet wird.
Welche Strukturen oder Anpassungen helfen euren Schüler*innen besonders dabei, sich sicher und gut orientiert zu fühlen? Teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren.
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