Warum ich Fantasiereisen mit klassischer Musik kombiniere (und warum das keine Spinnerei ist)

Neulich fragte mich eine Kollegin: "Anne, warum machst du eigentlich immer diese Fantasiereisen mit Musik? Reicht nicht einfach vorlesen?"

Kurze Antwort: Nein.

Lange Antwort: Setzt euch, Kinder, ich erzähl euch was.

Der Moment, als mir ein Licht aufging

Ich saß in meiner vierten Klasse. Ihr wisst schon – DIE vierte Klasse. Die, bei der "Ruhe bitte" etwa so effektiv ist wie ein Regenschirm im Orkan. Ich hatte gerade eine wunderschöne Fantasiereise vorbereitet. Vorgelesen. Mit viel Gefühl. Mit Pausen an den richtigen Stellen.

Ergebnis? Kevin kippelte mit dem Stuhl. Mia flüsterte mit ihrer Banknachbarin. Und Tim... nun ja, Tim war eingeschlafen. Aber nicht diese entspannte "Ah, Fantasiereise funktioniert"-Art von Einschlafen. Eher so "Ich bin gelangweilt und döse weg".

Da dachte ich mir: Das kann besser.

Enter: Klassische Musik

Ich probierte es das nächste Mal mit Debussy im Hintergrund. "Clair de Lune". Leise, ganz dezent unter meiner Stimme.

Und plötzlich? Kevin hörte auf zu kippeln. Mia schloss tatsächlich die Augen. Und Tim... okay, Tim schlief auch ein, aber diesmal sah er tatsächlich entspannt aus.

Warum funktioniert das?

Die Musik tut etwas, was meine Stimme allein nicht schafft: Sie erschafft eine Klangwelt. Sie füllt die Stille zwischen meinen Worten. Sie gibt den Kindern etwas, woran sie sich festhalten können, wenn ihre Gedanken abschweifen wollen.

Und mal ehrlich: Klassische Musik hat diesen gewissen "Das ist jetzt was Besonderes"-Faktor. Die Kinder spüren: Okay, jetzt ist nicht Alltag. Jetzt ist Fantasiereisen-Zeit.

Meine Lieblinge für Fantasiereisen:

Debussy - "Clair de Lune": Für alles, was mit Träumen, Nachthimmel und Ruhe zu tun hat

Satie - "Gymnopédie No. 1": Sanft, schwebend, perfekt für Wolken- oder Schneereisen

Vivaldi - "Winter" (langsamer Satz): Weihnachten, Winter, alles Gemütliche

Einaudi - "Nuvole Bianche": Ja, nicht klassisch im traditionellen Sinn, aber wunderschön für emotionale Momente

Protipp aus der Praxis:

Die Musik sollte UNTER deiner Stimme liegen, nicht darüber. Niemand will sich beim Entspannen anstrengen müssen, um dich zu verstehen. Und: Teste die Lautstärke vorher. Was dir am Schreibtisch leise vorkommt, ist im vollen Klassenzimmer manchmal zu laut.

Das Geheimnis ist die Kombination

Text allein? Kann funktionieren, aber die Kinder schweifen ab.

Musik allein? Schön, aber ohne Anleitung verlieren sich manche.

Beides zusammen? Chefkuss

Die Musik trägt die Kinder durch die Geschichte. Sie müssen sich nicht so sehr konzentrieren, um bei der Sache zu bleiben. Das ist gerade für unsere unruhigen, zappeligen, gedanklich-überall-gleichzeitig-Kinder Gold wert.

Und für euch Lehrkräfte?

Ehrlich? Es entspannt auch uns. Wenn ich eine Fantasiereise mit Musik mache, atme ich selbst tiefer. Die Atmosphäre im Raum wird weicher. Und nach 45 Minuten Mathe-Chaos ist das manchmal genau das, was wir alle brauchen.

Falls ihr es ausprobieren wollt: Ich habe einige meiner Fantasiereisen mit passender Musikempfehlung und komplettem Text hier in meinem Shop. Mit Playlists, Durchführungstipps und allem, was ihr braucht.

Probiert es aus. Eure Kevins, Mias und Tims werden es euch danken.

Eure Anne

Tags: klassische musik, entspannung, fantasiereise, fantasiereisen, entspannungsubung

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