Der nachhaltige Aufbau von Wortschatz im Englischunterricht ist keine Frage des Zufalls – sondern das Ergebnis gezielter, gehirngerechter Didaktik. Erkenntnisse aus der Neurodidaktik (Böttger 2016) und der englischen Fachdidaktik liefern wertvolle Impulse, wie Wörter nicht nur kurzfristig behalten, sondern langfristig im mentalen Lexikon verankert werden können.
Böttger beschreibt den Weg eines neuen Wortes über Sinneseindrücke ins Arbeitsgedächtnis, wo es durch Aufmerksamkeit, Elaboration und Wiederholung ins Langzeitgedächtnis überführt werden kann. Ohne gezielte didaktische Begleitung bleiben viele Wörter jedoch „hängen“ und werden schnell wieder vergessen.
Das heißt für den Unterricht:
Wörter müssen über verschiedene Kanäle aufgenommen, emotional verankert, vernetzt und vor allem: aktiv verarbeitet werden.
Ein Wort ist mehr als seine Übersetzung. Laut Böttger (2020) umfasst „Wortwissen“ viele Komponenten – von Aussprache, Kollokationen und Verwendungskontexten bis hin zu Kulturbezug und figurativer Bedeutung.
👉🏼 Das bedeutet: Ganzheitliche Wortschatzarbeit muss auch Satzstruktur, Satzstellung und semantische Feinheiten einbeziehen – gerade bei Kindern, die Sprache oft situativ und intuitiv lernen.
Nicht jeder Begriff ist gleich wertvoll. Besonders geeignet für die Grundschule sind laut Forschung:
Hochfrequente Alltagswörter
Phonetisch auffällige Wörter (-ou-, -th-)
Reimwörter (ball–wall)
Internationalismen (sandwich, computer)
Ankerwörter für Wortnetze (animals, colours)
„False friends“ (z. B. gift, chef)
Wortbildungswörter (bedroom, unhappy)
Wichtig: Qualität vor Quantität. Wenige, aber gut verankerte Wörter sind langfristig effektiver.
Multisensorische Zugänge sind das A und O:
Realia & Bildkarten
Gestik, Mimik, Pantomime
Songs, Reime, Storytelling
Wortnetze, Word Webs
Definitionen & Beispielsätze
L1-Vergleiche als bewusste Strategien
Der „Dreisatz“: leaf – tree – oak
Emotionale Beteiligung und aktive Auseinandersetzung verstärken den Lerneffekt.
Laut Neurodidaktik erfolgt Behalten nicht linear, sondern in rhythmisch wiederkehrenden Abständen. Formate wie What's missing?, Wort-Bingo oder Bewegungsspiele sorgen für motivierende Wiederholungen.
Und ganz wichtig: Zeit lassen für den Transfer vom rezeptiven in den produktiven Wortschatz. Sprache braucht Raum, um sich zu entfalten.
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📌 Fazit:
Wortschatzarbeit im Englischunterricht wird dann erfolgreich, wenn sie emotional berührt, kontextualisiert ist und aktive Sprachverarbeitung ermöglicht. Neurodidaktische Prinzipien geben uns einen klaren Fahrplan – jetzt liegt es an uns, diesen kreativ umzusetzen.
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