
Liebe Wissbegierige,
Legasthenie, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Lese-Rechtschreib-Störung, Lese-Rechtschreibschwieirgkeiten - was bedeuten diese Begriffe überhaupt und ist nicht alles eigentlich das Gleiche? Und was genau verbirgt sich hinter der Abkürzung „LRS“?
Alle Begriffe beschreiben Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben, die sowohl Kinder als auch Erwachsene betreffen können. Die Ursachen, die Dauer und die genaue Definition dieser Schwierigkeiten sind jedoch umstritten und werden unterschiedlich interpretiert.
... gibt es aktuell keine einheitliche Definition, da sich die Fachwelt auch nicht darüber einig ist, ob Legasthenie genetisch- oder umweltbedingt ist. Hier sollte jedoch hinzugefügt werden, dass einige Autor*innen und Wissenschafter*innen alle Begriffe zusammen verwenden oder sie stark voneinander differenzieren.
Beispielsweise meint Herr Schulte-Körne, dass Legasthenie genetisch bedingt sei und nicht mit der Lese-Rechtschreibschwäche in Verbindung steht, welche umweltbedingt ist. Weiterhin unterscheidet er zwischen den Begriffen Störung und Schwäche. Ersteres ist gleichzusetzen mit einer Erkrankungen welche durch genetische Faktoren entsteht. Die Ursachen für eine Schwäche haben allerdings andere Hintergründe, beispielsweise ein unzureichender Schulbesuch. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine Störung gleichzusetzen wäre mit einer Legasthenie und diese somit permanent ist. Eine Schwäche kann hingegen durch mehr Unterstützung und Förderung behoben werden (Q1).
Scheerer-Neumann benutzt jedoch alle drei Begriffe zusammen und schließt ebenfalls Umwelteinflüsse als Ursache aus (Q2).
Das Duden-Institut benutzt primär den Begriff Lese-Rechtschreib-Schwäche und setzt das Wort Legasthenie in Klammern dahinter. Hier wird die Definition als „langandauernde Schwierigkeiten beim Erlernen der Schriftsprache“ gefasst (Q3).
Die Lese-Rechtschreib-Störung hingegen wird als eine klinische Diagnose betrachtet.
Laut ICD-10 und ICD-11 werden Störungen im Lesen und Schreiben getrennt voneinander betrachtet, wenn sie isoliert auftreten (Q4). Das bedeutet, dass nicht jede Person mit einer Lese- oder Rechtschreibproblematik automatisch als „Legastheniker*in“ bezeichnet werden kann.
Wie wahrscheinlich schon vermutet wird, kann dementsprechend auch nicht beantwortet werden, was sich genau hinter der Bezeichnung LRS verbirgt. Das „S“ kann sowohl als Schwäche, Schwierigkeit oder auch als Störung verwenden, je nach Kontext und Quelle. Daher ist es sinnvoll, stets nachzufragen, welche Bedeutung der Begriff in einem bestimmten Zusammenhang hat.
Wie eingangs erklärt, gibt es keine einheitliche Definition. Somit ist es Aufgabe aller Beteiligten (Eltern, Therapeut*innen, Pädagog*innen und Lehrkräfte) eine einheitliche Definition zu schaffen, damit die Kommunikation und der Austausch auf einer Ebene stattfindet.
Ich bin Kindheitspädagogin (B.A.) und mein Herzensthema ist die Legasthenie. Durch meine Arbeit mit betroffenen Kindern sowie persönliche Erfahrungen in meiner Familie habe ich ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen, die mit einer Legasthenie einhergehen. Während meiner beruflichen Laufbahn habe ich immer wieder festgestellt, dass die Begriffe in der Praxis sehr unterschiedlich verstanden werden. Zudem habe ich erlebt, dass Schulen und Bildungssysteme in verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich mit der Thematik umgehen – oft leider nicht optimal.
Mein Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Informationen bereitzustellen, damit Ihr, liebe Leser*innen, euch eine eigene Meinung bilden könnt. Gelegentlich werde ich auch Kritik und persönliche Gedanken äußern – diese werden entsprechend gekennzeichnet. Ich hoffe, ihr könnt euch für das Thema begeistern und euer Wissen erweitern.
Ich freue mich über eure Gedanken, Anregungen und Diskussionen!
Alles Liebe 🫶
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Quellen
Q1: Schulte-Körne, G. (2021). Lese-/Rechtschreibstörung: Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit LRS wirksam unterstützen und fördern. S. 12-23, Kohlhammer.
Q2: Scheerer-Neumann, G. (2023). Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie: Grundlagen, Diagnostik und Förderung (3. Aufl.). S. 19, Kohlhammer.
Q3: https://www.duden-institute.de/Lerntherapie/1205_Lese_Rechtschreib_Schwaeche.htm
Q4:Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information. (2004). Kapitel V: Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99). In ICD-10-GM Version 2004. Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information. Abgerufen am 09.12.2024 von https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-who/kode-suche/htmlamtl2005/index.htm?gf80.htm
Q5: https://playground.com/design (Bild)
Q6: Canvas (Bild)
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