Kinder in der Industriellen Revolution: Was macht ein Kind zu einem Kind?

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Wirtschaftlicher Umschwung, Landflucht und neue Erfindungen sind Worte, die zusammen mit der industriellen Revolution genannt werden. Doch auch die Kinderarbeit spielte zu der damaligen Zeit eine entscheidende Rolle. Kinder wurden als günstige Arbeitskräfte genutzt aber auch da sie einen kleinen Körperbau hatten und mehr Einkommen in die Familie brachten. 

Arbeiterschaft
Mit dem Beginn der industriellen Revolution änderte sich das Bild der Familie und auch das der Arbeit. Der Lebens- und der Arbeitsplatz waren nun getrennt voneinander und die kapitalistischen Produktionsweise breitete sich aus. Die Arbeiterschaft etablierte sich als neue Bevölkerungsgruppe oder als neue soziale Klasse, die unter schwierigen Bedingungen wachsenden Städten lebte.

Kleine Erwachsene
Aufgrund der Landflucht und der hohen Nachfrage an Arbeit, war Armut ein essentielles Thema. Um möglichst ausreichend Geld zu verdienen, wurden auch die Kinder mit eingespannt. Sie wurden als kleine Erwachsene angesehen, die, sobald sie laufen konnten, Aufgaben übernehmen sollten (Q3). In der klassischen Arbeiterfamilie war die Schulbildung der Kinder unwichtig, da das Beschaffen des Geldes im Vordergrund stand. 

Arbeitsschutz
Die Fabrikbesitzer konnten es sich leisten ihre Arbeiter nach belieben zu kündigen und zu ersetzen, da die Arbeitsnachfrage hoch war. Dementsprechend wurde in den Fabriken wenig auf den Arbeitsschutz geachtet, weshalb es zu vielen Unfällen kam, die auch tödlich enden konnten. 
Auch das Thema der Kindersterblichkeit war ein Teil der industriellen Revolution. Die Mütter konnten es sich kaum leisten zuhause zu bleiben und mussten dementsprechend direkt vor und nach der Schwangerschaft arbeiten gehen (Q3).

Verbot der Kinderarbeit 
Aufgrund des wachsenden Drucks durch die Industrialisierung in England und der Schaffung von Arbeitsschutzgesetzen für Kinder musste dies auch in Deutschland erfolgen. Selbstverständlich stand der Wettbewerb in einem andauerndes Fokus, doch um welchen Preis? Die Engländer sahen zu diesem Zeitpunkt Deutschland nicht mehr als Konkurrenz an, da der Nachwuchs hauptsächlich zum Arbeiten eingesetzt wurde, anstatt vernünftig großgezogen wurde, um später in die Armee einzutreten (Q2).

Somit kam es im Jahr 1839  zum gesetzlichen Verbot der Kinderarbeit durch König Friedrich Wilhelm III. 

Das Gesetz beinhaltete unteranderem folgendes:

  • Verbot von Kinderarbeit unter 9 Jahren 
  • Verbot von mehr als 10 Stunden arbeit für unter 16 jährige 
  • Verbot von Arbeit älterer Kinder an Sonn- und Feiertagen sowie des Nachts, außerdem nicht vor 5 Uhr und nach 9 Uhr (Q1)

Wandel der Begriffe - Kind und Kindheit 
Durch die verabschiedeten Gesetze und dem Wandel des Blickes auf das Kind änderte sich die Bedeutung von Kind und Kindheit
So war es seit Jahrhunderten Brauch das Kind mit in die Arbeitsprozesse einzubeziehen, egal in welcher Gesellschaftsschicht. Doch wie bereits zu Beginn beschrieben, arbeiteten die Kinder Zunehmens weniger mit ihrer eigenen Familie zusammen, sondern vielmehr in großen Fabriken. Es gab politische Diskussionen, ein soziales Dilemma, denn das nicht arbeiten von Kindern war dem Bürgertum vorbehalten (Q3).

Mit dem Verbot der Kinderarbeit wurde zunächst deutlich, wer als Kind definiert werden kann. Denn in dem Verbot von Friedrich Wilhelm III. wird deutlich von Personen im Alter von 9 Jahren und 16 Jahren gesprochen. Im gleichem Zuge wird das Verständnis entwickelt, dass die Kinder eine geschützte Entwicklungszeit benötigten. 

Der Umschwung des Verständnisses von Kindern während der Zeit der Industrialisierung führte zu einem weitreichenden Wandel, der den Grundstein für viele weitere Reformen gelegt hat. 

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Viel Spaß damit im Unterricht 🫶

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Q1: Bayerisches Hauptstaatsarchiv. (1839). Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Fabriken und manufacturartigen Betrieben vom 9. März 1839. Retrieved from https://www.zaar.uni-muenchen.de/download/doku/historische_gesetze/mo_nr_3_regulativ__.pdf

Q2: Diiwell, F.-J. (1989). 150 Jahre gesetzliches Verbot der Kinderarbeit in Deutschland. Arbeit und Recht, 37(6), 169–172. Retrieved from https://www.jstor.org/stable/24021231

Q3: Winkler, M. (2024). Kinder, Kindheit, Kindheitsgeschichte. In A. Schierbaum, M. Diedrichs, K. Schierbaum (Hrsg), Kind(er) und Kindheit(en) im Blick der Forschung. Springer VS.

Q4: https://playground.com/design

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