Eigentlich gibt es genug Unterrichtsmethoden in der Biologie. Warum sollte man den Schülerinnen und Schülern noch ein Mystery anbieten?
Das Wort Mystery stammt aus dem Englischen und bedeutet Geheimnis oder Rätsel, das es zu lösen gilt. Mysterys haben als Ausgangspunkt eine ungewöhnliche, widersprüchliche Aussage wie etwa Pazifische Austern sind eine beliebte Delikatesse und in der Nordsee sterben die Miesmuscheln (Material-Nr. 1278008) oder Wenn es viele Spitzmäuse gibt, überleben auch viele Blattläuse (1278010). Oder der Lehrer gibt den Impuls als Frage: Warum gibt es viele Blattläuse, wenn reichlich Spitzmäuse vorhanden sind? Zwei Aspekte stehen anscheinend im Widerspruch zueinander. Wie in einem Krimi sollen beim Mystery Querverbindungen und Beziehungen hergestellt werden, um das Rätsel zu lösen.
Das Mystery ist eine sehr motivierende Unterrichtsmethode. Die Schülerinnen und Schüler können sich wie Detektive auf die Suche nach Zusammenhängen und Lösungen zu einem Problem zu begeben. Mysterys sind für den Biologieunterricht gut geeignet, um Vorwissen zu reaktivieren sowie vernetztes Denken und den Aufbau von Problemlösefähigkeiten zu fördern.
Mysterys können zum Einstieg in ein neues Themengebiet, zur Erarbeitung von Fachinhalten oder zur Wiederholung und Vertiefung von bereits erworbenem Wissen eingesetzt werden.
Für ein Mystery gibt der Lehrer oder die Lehrerin Kärtchen aus, die er oder sie zuvor für jede Gruppe ausgeschnitten hat. Auf den Mystery-Karten stehen Informationen ungeordnet zu dem Thema. Die Schülerinnen und Schüler erhalten den Auftrag, diese inhaltlich zu ordnen und dann Beziehungen zwischen den Fakten herzustellen. Dazu bietet es sich an, Pfeile zu ziehen und daran die Art der Beziehung zu schreiben. In der Regel wird ein Mystery in Gruppenarbeit bearbeitet. In der Gruppe können die Gruppenmitglieder jede neue Information diskutieren und einordnen. So findet eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Thema statt. Für das genannte Beispiel Pazifische Austern sind eine beliebte Delikatesse und in der Nordsee sterben die Miesmuscheln (Material-Nr. 1278008) beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Folgen der Einschleppung von Arten in ein fremdes Ökosystem. Dabei müssen sie die Populationsentwicklung der Pazifischen Auster und der Miesmuschel nachzeichnen. Sie setzen sich also mit dem komplexen Ökosystem des Wattenmeeres und dem speziellen Fall invasiver Arten auseinander.
Auch im Mystery Warum gibt es viele Blattläuse, wenn reichlich Spitzmäuse vorhanden sind müssen die Schülerinnen und Schüler die Informationen auf den Kärtchen genau lesen, um zu verstehen, wovon sich die einzelnen Arten ernähren. Das Lösen des Mysterys geschieht durch das Vernetzen der auf den Kärtchen dargestellten Nahrungsbeziehungen. Am Ende ihrer Gruppenarbeit steht ein Nahrungsnetz. Sie kleben es auf ein Poster. Daraus können sie ablesen, wie die Eingangsfrage ohne Widerspruch zu beantworten ist.
Die Mystery-Methode ist Gruppenunterricht. Darin entwickeln Schülerinnen und Schüler ihre kommunikativen Kompetenzen weiter, indem sie innerhalb der Gruppe Vermutungen anstellen, was hinter dem Leitsatz steckt. Schließlich einigen sie sich auf die Anordnung der Kärtchen und kleben sie auf ein Poster. Dabei analysieren sie Probleme und berücksichtigen verschiedene Perspektiven. Eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht.
Zum Abschluss präsentieren sie ihre Ausführung zu dem Thema den übrigen Klassenmitgliedern und diskutieren gemeinsam im Plenum die Ausgangsfrage. Abschließend gibt es eine Reflexion über die Methode.
Differenzierungsmöglichkeiten sind gut einzubauen. Für langsame Leser kann die Anzahl der Informationskarten reduziert werden. Für gute Lernende wird das Kartenrepertoire erweitert. Es ist auch möglich, dass die schnellen und besseren Lernenden Rechercheaufgaben erhalten, so etwa über weitere invasive Arten. Sie könnten je eine tierische und eine pflanzliche eingebürgerte Art vorstellen. Auch weitergehende Vorschläge zur Lösung der durch invasive Arten bedingten Probleme sollten zusammengetragen werden.
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