In Zeiten von Bildungskrise und Lehrermangel scheint es manchemal so, als gäbe es nur noch schlechte Nachrichten aus dem Bildungssektor. Für Lehrkräfte, die ohnehin schon einem hohen Stressniveau ausgesetzt sind, kann diese Negativspirale der pessimistischen Neuigkeiten, die Gefahr eines Burnouts oder anderer Erkrankungen zusätzlich erhöhen. Auf jeden Fall vermiest es Lehrerinnen und Lehrern die Lust auf Schule und die Hoffnung darauf, trotz allem einen guten Job machen zu können. Dies ist ein Problem - bilden Lehrkräfte doch die Zukunft unseres Landes aus und sollten der jungen Generation eine positive Zukunftsvision vermitteln. Wie sonst sollen Kinder und Jugendliche erfahren, dass es möglich ist, die Zukunft aktiv zu gestalten und die multiplen Krisen unserer Zeit erfolgreich zu meistern? Lehrkräfte können solch eine positive Haltung nur vermitteln, wenn sie selbst zuversichtlich in die Zukunft schauen können.
Welche Wege also gibt es, diesem negativen Trend entgegenzuwirken und trotz aller Schwierigkeiten die Lust auf Bildung, Schule und Zukunft zu erhalten?
Wenn es darum geht, nicht in Negativität und Sorgen zu versinken, sondern den Glauben daran zu stärken, die eigene Situation und Zukunft gestalten und verbessern zu können, spielen Zuversicht und Selbstwirksamkeit eine zentrale Rolle. In diesem Artikel beleuchten wir die Bedeutung dieser Faktoren und geben praktische Gesundheitstipps für Lehrer:innen.
“An meiner Schule ist alles schlecht."
“Ich fühle mich ausgeliefert und kann eh nichts ändern.”.
“Ich habe keinen Handlungsspielraum, sondern bin das Opfer eines nicht mehr funktionierenden Systems.”
Sätze wie diese hören wir in unserer Arbeit mit Lehrkräften häufig. Und oft haben die LehrerInnen absolut recht: Die Umstände am Arbeitsplatz Schule sind vielerorts fatal. Lehrkräfte stehen täglich vor zahlreichen und unterschiedlichsten Herausforderungen.
Wie sollen Lehrerinnen und Lehrer in solchen Situationen also zuversichtlich in die eigene Zukunft schauen?
Die gute Nachricht in dieser oft sehr angespannten Lage: Zuversicht und Selbstwirksamkeit sind erlernbare und trainierbare Schlüsselfaktoren. Lehrkräften, die diese “Helfer” in ihr Leben lassen, können in der Regel besser mit Stress umgehen und die eigene Gesundheit effektiver schützen.
Wie ist es also möglich, diese andere Denkweise in das eigene Leben zu integrieren, ohne in eine so genannte toxische Positivität zu verfallen?
In erster Linie braucht es die Bereitschaft zur Reflexion und den Mut, die eigene Situation auf Herz und Nieren zu überprüfen. Um diesen Prozess anzugehen, gibt es mittlerweile zahlreiche Angebote. Beispielsweise in Coachings oder Beratungen wird oft deutlich, dass durchaus Handlungsspielräume vorhanden sind, die die eigene Situation deutlich verbessern können.
Häufig stecken Lehrkräfte allerdings tief in einer Negativspirale fest, so dass die eigenen vorhandenen Möglichkeiten gar nicht mehr gesehen werden können. Dies ist in der derzeitigen Bildungskrise nicht verwunderlich.
Wir glauben aber, dass gerade durch die momentane “multiple Krise”, in der wir leben, die Zeit nie günstiger war, um den eigenen Schulalltag im kleinen eigenen Rahmen und Einflussbereich so zu verändern, dass die eigene Zufriedenheit steigen kann. Lehrkräfte dürfen sich jetzt trauen, ihre Handlungsspielräume zu erkennen und strategisch zu nutzen.
Sobald erste Schritte in diese Richtung gegangen sind, steigt das Gefühl der Selbstwirksamkeit und damit der Glaube an die eigenen Fähigkeiten. Lehrkräfte, die selbstwirksam agieren, fühlen sich viel selbstverständlicher in der Lage, Schule stressfreier zu gestalten, herausforderndes Verhalten besser zu bewältigen und SchülerInnen zu motivieren. Durch kleine Veränderungen des Schulalltags kann die innere Überzeugung wachsen, dass ich mein Leben, trotz aller Schwierigkeiten, aktiv gestalten kann. Diese zuversichtliche Haltung trägt wesentlich zur Reduzierung von Stress und zur Verbesserung der Lehrergesundheit bei.
Wie konkret lässt sich Selbstwirksamkeit spüren und erlangen, in einem doch immer noch hierarchisch organisierten System wie dem Bildungswesen?
Unser Tipp: Schließ dich mit Gleichgesinnten zusammen und trete in den Austausch. Diese Art der Vernetzung war nie einfacher als heute und wird von Lehrkräften häufig noch zu wenig genutzt. Schau dich in deinem Kollegium um oder nutze beispielsweise die zahlreichen Angebote, die online eine Vernetzung auf verschedenen Plattformen oder Kursen möglich machen. Durch den Austausch mit anderen Lehrkräften, die ähnliches fühlen und verändern wollen, steigt die Chance enorm, sich tatsächlich und nachhaltig auf den Weg in die eigene berufliche Zufriedenheit zu machen. Zusammen ist der Mut zur Veränderung leichter zu finden und umzusetzen. Wir bekommen immer wieder das Feedback von Lehrkräften, die losgegangen sind: Zuversicht und Optimismus dürfen sich, trotz aller Schwierigkeiten, breit machen und die eigene Zufriedenheit steigt.
Folgende Tipps können erste Schritte in Richtung Zuversicht auf einen guten und gesunden Schulalltag sein:
Indem Lehrkräfte diese Eigenschaften kultivieren, können sie nicht nur ihre eigene Gesundheit verbessern, sondern auch eine positive Wirkung und Vorbildfunktion auf ihre SchülerInnen und das gesamte Schulumfeld haben. Und das ist es, was wir derzeit besonders brauchen.
Der Grad an Zuversicht, mit der Lehrkräfte in die Zukunft schauen, ist entscheidend für ihre Fähigkeit, ihren Beruf effektiv auszuüben, ein erfülltes und gesundes Leben zu führen und ihren SchülerInnen eine zuversichtliche Haltung weiterzugeben, die Lust auf Zukunft macht. Das Gefühl von Selbstwirksamkeit ist ein weiterer zentraler Faktor, der dazu beiträgt, Stress zu bewältigen und die Gefahr, ernsthaft zu erkranken, reduziert.
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