„Du bist Burnout-gefährdet!“ 🤯

Während ich also die Ferien damit verbrachte, in meinem neuen alten Job als Leitung der Kinderbetreuungseinrichtung zu arbeiten, zerbrach ich mir nicht nur den Kopf darüber, ob der Job nun fix gesichert war, oder ob sie mir in letzter Minute doch noch absagen würden, sondern auch darüber, ob ich gut genug auf die neuen Herausforderungen vorbereitet war. Und ich kam zu dem Entschluss, dass ich es nicht war. Trotz zahlreicher Jahre auf der Uni, wurde ich sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen. Die Panik übermannte mich und ich suchte nach den Informationen, die mir den Einstieg ins Lehrerleben erleichtern würden. Ich folgte unzähligen Kolleg:innen auf Instagram, googlte nach passender Literatur, durchforstete weitere Social Media Kanäle. Es gab so viele Informationen und Tipps, dass es schon fast zu schwer war, das richtige herauszufiltern. Wie auch, wenn ich nicht genau wusste, was auf mich zukam? Hier möchte ich ein Dank an all die ehrlichen Lehrer:innen, die ihre Erfahrungen mit anderen auf Social Media Kanälen teilen, aussprechen - ihr habt mir sehr geholfen! Ein Tipp half mir besonders. So simpel dieser auch auf den ersten Blick erscheinen mag, ist die Beantwortung doch nicht so einfach: Was für eine Lehrerin möchte ich sein?

Ich zerbrach mir also nun den Kopf darüber, was für eine Lehrerin ich sein wollte. Möchte ich eher streng sein, oder mehr der Kumpel-Typ? Ich kam zu dem Entschluss, dass ich einfach ich sein möchte - einfach authentisch. Ich stellte mit der Zeit in meinen ersten Unterrichtsstunden und im Austausch mit Kolleg:innen fest, dass ich sowieso keine andere Wahl hatte. Umso mehr ich mich verstellte, umso weniger nahmen mich die Schüler:innen ernst. Manchmal glaubte ich mir ja selbst nicht. Ich bin nun mal nicht die schreiende, strenge Lehrerin. Ich konnte das sogar bei anderen Kolleg:innen beobachten. An Tagen, an denen sie anders agierten als gewohnt, war die Stimmung in der Klasse im Keller. Die Schüler:innen führten sich auf, wollten nicht mitmachen etc. 

 Zwar klingt authentisch sein sehr positiv, aber mein Ehemann erinnerte mich daran, dass ich auch ein sehr emphatischer Mensch bin. Noch bevor ich meine erste Stunde halten konnte, meinte er besorgt: „Du bist Burnout-gefährdet!“ Zuerst war ich etwas verärgert, da er mir so wenig zutraute, aber er fügte hinzu, dass ich mich emotional mitreißen lasse und ein sehr gefühlsvoller Mensch bin. Schnell wurde aus einem Vorwurf ein Kompliment. Und ich fing an darüber nachzudenken. Er fügte hinzu, dass es mir leichter fallen würde, wenn ich ein Ziel vor Augen hätte. Was möchte ich mit meinem Tun erreichen? In der Schule, wo ich zu unterrichten begann, befanden sich viele Schüler:innen mit unterschiedlichen und schwierigen Familienkonstellationen und auch Lebensumständen. Beispielsweise wohnte eine Schülerin bei ihrer Oma, da sich ihre Mutter aufgrund von Depressionen und Drogenkonsum nicht mehr um sie kümmern konnte bzw. wollte. Ich versuchte mich emotional nicht davon mitreißen zu lassen und schaffte es mir dank dieser schwierigen Situationen ein passendes Ziel zu überlegen. Ich kann deren Schicksal nicht ändern, aber ich kann ihnen den Schulbesuch so angenehm und nützlich wie möglich gestalten, dass sie trotz all dem eine Chance auf Bildung haben und einen kleinen Zufluchtsort in der Schule finden. So konnte ich zwar ihre Vergangenheit nicht ändern, aber ihre Gegenwart verbessern und so hoffentlich ihre Zukunft positiv beeinflussen.

Tags: Authentizität, authentisch, Junglehrer, Junglehrerin, Burn-Out, Burnoutprävention

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