Vor meiner Zeit als Lehrerin arbeitete ich als Kinderbetreuerin neben meinem Studium. Ich mochte den Job, denn er bereitete mir viel Freude, obwohl die Arbeitszeiten schrecklich waren. Wenn andere nach Hause gingen, ging ich erst in die Arbeit. Irgendwo auch logisch, denn Kinder brauchen erst nach der Schule und nach dem Kindergarten zusätzliche Betreuung - bzw. Samstags. Noch vor Ende meines Bachelorstudiums wollte ich des Öfteren den Schritt wagen und mich einfach mal bewerben. Was sollte denn schon Großartiges passieren? Im schlimmsten Fall würde ich keine Antwort erhalten. Doch ich tat es nie. Ich traute mich nicht. Keine Ahnung wieso. Vielleicht weil ich mich vor einer Absage fürchtete. Oder vielleicht doch vor einer Zusage und dann müsste ich meinen alten Job, die tollen Kinder und das super Team aufgeben. Doch dann kam Corona, mein alter Arbeitgeber kündigte das gesamte Team und wir lagen in der Schwebe. Ein neues Unternehmen würde uns übernehmen - oder auch nicht. Wer wusste das schon zu der Zeit. Also hatte ich nichts zu verlieren und ich tat es - ich bewarb mich. Noch dazu begann zu der Zeit der Lockdown dank Corona und alles schien sowieso hoffnungslos bzw. aussichtslos. Keiner wusste, wer seinen Job oder gar das Leben behalte würde. Anfangs machte ich mir tatsächlich diese Gedanken. Es hatte alles erst begonnen und eine ganz neue Situation trat über die Länder herein. Im Nachhinein aus heutiger Sicht muss ich schmunzeln, wenn ich mich an meine damaligen Gedanken erinnere. Wenige Monate später kam die Zusage des neuen Unternehmens, dass sie uns übernehmen würden. Ich würde sogar die Stelle der Leitung bekommen. Ich war erleichtert und freute mich, daher hatte ich die Bewerbung bei der Bildungsdirektion schon ganz vergessen, als plötzlich nach wenigen Tagen ein anonymer Anruf kam. Wenn ich mich recht erinnere, wurde nicht einmal eine Telefonnummer angezeigt, daher überlegte ich kurz, ob ich überhaupt abheben sollte. Zum Glück tat ich es. Ich meldete mich mit meinem Namen und eine Dame auf der anderen Seite der Leitung meinte, sie sei von der Bildungsdirektion und hätte einen Job für mich. Ich war total überrascht, dass mir im ersten Moment die Worte fehlten. Sie nannte mir Ort und Zeit. Ich fragte nur, ob sie meine Bewerbungsunterlagen bräuchten, sie erwiderte, dass sie alles hätte, ich bräuchte somit eigentlich nichts mitnehmen. Ich konnte es kaum glauben, es schien so surreal, aber die Gesamtsituation war so unwirklich, mit Corona, der Kündigung, der Übernahme, dem Lockdown, also was war da schon ein einfaches Bewerbungsgespräch.
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