Lehrkraft und Fachleiter. Material mit Lösungen, Erwartungshorizont und belegter Befundlage.
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Vokabellernen ist die einzige Schularbeit, die fast vollständig ausgelagert ist: Sie findet abends am Küchentisch statt, ohne Anleitung, nach einer Methode, die niemand je überprüft hat. Wir prüfen das Ergebnis und unterrichten den Weg nicht. Dabei ist gerade hier die Forschungslage ungewöhnlich gut — besser als bei fast allem anderen im Fremdsprachenunterricht. Sie widerspricht nur leider dem, was viele von uns in der Ausbildung gehört haben.
Der Befund, um den es geht „Vokabeln lernt man im Kontext, nicht in Listen." Der Satz steht in jedem Methodenbuch.
Er ist nicht belegt. – Prince (1996), 48 Lernende, 44 Wörter, Test nach einer Woche: Wer über die Übersetzung lernte, konnte 80,2 % abrufen; wer aus dem Kontext erschloss, 50,7 %. Der Rückstand war bei den schwächeren Lernenden mehr als doppelt so groß — sie kamen beim Übertragen in einen neuen Kontext auf 32,3 %, die stärkeren auf 69 %. – Laufer & Shmueli (1997): Wörter in Listen und Einzelsätzen wurden besser behalten als Wörter in Texten.
Erklärungen auf Deutsch schlugen durchgehend Erklärungen in der Zielsprache. – Webb (2007): Wortpaare gegen einen glossierten Satz, geprüft über zehn Testformate — auch solche, die eigentlich vom Kontext profitieren müssten. Kein signifikanter Unterschied. – Elgort (2011) entkräftet den wichtigsten Einwand: Wortpaarlernen erzeugt messbar echte lexikalische Einträge samt automatischer Aktivierung verwandter Bedeutungen — kein bloßes Prüfungswissen.
Und die Gegenrechnung: Beim beiläufigen Aufschnappen aus Texten bleiben laut Metaanalyse über 24 Studien mit 2.771 Personen 9 bis 17 % der Zielwörter hängen; bei gezieltem Lernen sind es 60,1 % sofort und 39,4 % verzögert.
Das Heft sagt allerdings auch ausdrücklich dazu, dass beide Metaanalysen nicht auf gleiche Lernzeit umrechnen — „viermal so effizient pro Minute" wäre falsch. Was sonst noch drinsteht – Der Vokabeltest ist die bestbelegte Einzelmaßnahme im Unterricht — sobald man ihn nicht als Prüfung einsetzt.
Über 222 Studien mit 48.478 Lernenden liegt der Effekt regelmäßigen Abfragens bei g = 0,50. Entscheidend sind zwei Details: aus dem Kopf schreiben lassen (g = 0,61) statt ankreuzen (g = 0,29), und immer mit Lösungsrückmeldung (g = 0,73 statt 0,39). – Der Leitner-Kasten wirkt — aber nicht aus dem Grund, aus dem ihn alle empfehlen.
Dass die Abstände anwachsen müssen, ist der am schlechtesten belegte Teil: Zwei Metaanalysen finden anwachsende und gleiche Abstände gleichwertig. Er wirkt, weil er Abrufen, Rückmeldung und Verteilung gleichzeitig erzwingt. – Im Französischen reichen erstaunlich wenige Wörter. Die 2.000 häufigsten decken rund 85 % eines Textes ab — im Englischen braucht man dafür zusätzlich eine eigene Liste des Wissenschaftswortschatzes.
Und: Weder der Gemeinsame europäische Referenzrahmen noch das französische Referenzwerk zu A1 nennen einen Wortschatzumfang in Zahlen. Wer „A1 = 500 Wörter" dem Referenzrahmen zuschreibt, zitiert falsch. – Quizlet und Anki, ehrlich eingeordnet. Die Quizlet-Metaanalyse über 23 Studien klingt gut (g = 0,62) — 22 der 23 Studien betreffen aber Englisch, keine einzige Französisch.
Zu Anki fand sich keine belastbare Studie im schulischen Fremdsprachenunterricht. Das eigentliche Problem ist ohnehin der Standardmodus: Multiple Choice ist genau die Abrufform mit der schwächsten Wirkung.
Die beiden Materialien
1 · Vokabeln, die bleiben — 16 Seiten, für die Lehrkraft Die Lage des Fachs in Zahlen · die Befundlage auf einer Seite, dreigeteilt · der Kernbefund zur Vokabelgleichung · der Testeffekt · was am Karteikasten stimmt · der Vokabeltest neu gedacht · was ein Wort schwer macht, mit einem unbequemen Lehrwerksbefund · wie viele Wörter es braucht · zehn Übungsformate mit Befundangabe · Lehrplanbezug · ein Zehn-Minuten-Fahrplan für ein Schuljahr · Apps · sechs Sätze aus dem Klassenzimmer mit Antworten · Quellenseite.
2 · Mein Vokabelplan — 12 Seiten, für die Klasse Ein Plakat für die Wand · die Vokabelkarte mit Anleitung · 14 leere Wortkarten zum Ausschneiden · ein Wochenplan · ein Selbsttestbogen zum Abdecken · zwei Übungsseiten zu den durchsichtigen Wörtern und den falschen Freunden · zehn Aussprachefallen · ein Selbsteinschätzungsbogen · Lösungen. Kein Lehrwerksbezug Die Karten sind leer, der Wochenplan ist leer, der Selbsttest ist leer. Das Material passt zu Découvertes, À plus!, Le Cours intensif oder jedem anderen Buch — und es passt auch noch, wenn die Schule das Lehrwerk wechselt.
Für wen? Für das 1. bis 3. Lernjahr, also etwa Klasse 6 bis 8. Der Fachteil lohnt sich auch dann, wenn du schon länger unterrichtest: Die Zahlen kennt kaum jemand, und mehrere davon widersprechen dem, was in der Ausbildung gelehrt wird.
Wachsendes Paket — was das für dich heißt Du kaufst einmal und bekommst jede spätere Erweiterung kostenlos. Der Paketpreis steigt mit jedem neuen Teil; für dich ändert sich nichts.
In Arbeit: Sprechen ohne Angst — Redezeit, Wartezeit, Fehlerkorrektur · Der Kernwortschatz: die ersten 500 Wörter.
Geplant: Aussprache von Anfang an richtig · Hörverstehen: was wirklich hilft · Lesen im 2. Lernjahr.
Format Beide Materialien liegen farbig und in einer Schwarzweiß-Fassung bei. PDF, A4, direkt druckbar, keine Zusatzsoftware nötig. Ein Hinweis, der dazugehört Für zwei der Schülerseiten — die durchsichtigen Wörter und die falschen Freunde — gibt es im Sprachpaar Deutsch–Französisch keine belastbaren Zahlen.
Sie beruhen auf Unterrichtserfahrung, und genau das steht auch im Material. Ebenso steht dort, dass die oft zitierte 90-Prozent-Abwahlquote in der Oberstufe aus einem Bericht ohne Quellenangabe stammt.
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