Das Ziel dieser Kampagne ist es, Aufmerksamkeit für besondere Lernschwierigkeiten zu schaffen und bessere Inklusion von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen anzuregen. Wir möchten Lehrer*innen mit praktischen Tipps dabei helfen, ihre Klassenzimmer und ihre Unterrichtsmaterialien inklusiver zu gestalten, damit sie zu den Bedürfnissen von allen Schüler*innen passen.
Inklusive Bildung: was gehört dazu und was nicht?
Wenn wir von inklusiver Bildung sprechen, dann sprechen wir von Räumen, in denen alle Kinder unabhängig von ihren Fähigkeiten gemeinsam lernen können.
"Alle Schüler*innen sind einzigartig. Geschlecht, Herkunft, Sprache,
Lernschwierigkeiten, Behinderungen: all diese Unterschiede sollten
wertgeschätzt und ohne Diskriminierung akzeptiert werden."
Inklusion heißt, ein Umfeld zu schaffen, welches für alle Kinder gleichermaßen funktioniert und das sicherstellt, dass alle faire Chancen haben zu lernen und sich zu entwickeln. #NoCopyPaste ist eine Botschaft an alle Lehrer*innen, die ihre tägliche Arbeit so gestalten möchten, dass sie den kognitiven Unterschieden ihrer Schüler*innen gerecht wird.
Im Kontext der Neurodiversität hilft es, das Inklusionsmodell zu verstehen, indem man es mit anderen Erfahrungen im Bildungskontext vergleicht.
Sieh dir hier die Unterschiede an. →
Lernschwierigkeiten (und auch der Begriff Lernstörungen, der vor allem von Psycholog*innen verwendet wird) bezeichnen eine Reihe an Unterschieden im Lernverhalten gegenüber neurotypischen Personen, die sich in ganz verschiedenen Ausprägungen zeigen: von milden über mittelschwere zu schweren Ausprägungen. Dyslexie (Lese-Rechtschreibstörung), Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts-)Störung (AD(H)S), Autismus-Spektrum-Störung (ASS), Dyspraxie, Dyskalkulie (Rechenstörung) und Dysgraphie sind die am weitest verbreiteten. Wir alle unterscheiden uns in unserem Lernverhalten. Unterschiede im Lernverhalten sind neurologisch bedingt und müssen ebenso anerkannt, akzeptiert und respektiert werden wie andere Unterschiede, die Menschen aufweisen, wie das Geschlecht oder die ethnische Zugehörigkeit. Tatsächlich gehören alle Variationen im Lernverhalten zu der Welt, wie wir sie kennen, daher gibt es kein “normales” oder “typisches” Lernverhalten bei Schüler*innen.
Lernstörungen beeinflussen die Art, wie Informationen verarbeitet und gelernt werden. Sie können verschiedene Fähigkeiten wie das genaue Lesen, Rechnen, Merken oder visuelles Verarbeiten betreffen. Kinder mit Lernschwierigkeiten zeigen oft auch eine verminderte Aufmerksamkeitsspanne, Hyperaktivität, Angststörungen etc. Oft treten mehrere Lernstörungen gleichzeitig auf, das wird als Komorbidität bezeichnet.
Für Kinder mit Lernschwierigkeiten bedeutet es großen Stress, diesen im Unterricht zu begegnen. Das kann das emotionale und seelische Wohlbefinden beeinflussen. Auch Lehrer*innen stehen vor großen Herausforderungen: Wie können sie Neurodiversität innerhalb ihrer Klassenzimmer normalisieren? Und wie können sie sicherstellen, dass alle Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten in den Unterricht inkludiert werden?
Lernstörungen und Komorbiditäten
Eine Person mit Dyslexie kann beispielsweise Schwierigkeiten beim Buchstabieren und mit langsamem Sprechen haben, aber auch Probleme dabei, mündliche Informationen zu verarbeiten. Letzteres tritt auch bei Dyskalkulie auf.
Sprache
In der Regel ist es gut, sprachlich immer die Person als Individuum in den Mittelpunkt zu stellen und nicht den besonderen Förderbedarf.
Gemeinschaft
Schüler*innen lernen gemeinsam in gut geplantem Unterricht: Gruppen- und Partner*innenarbeiten helfen dabei, eine kooperative Lernatmosphäre zu schaffen, statt individualistischen Konkurrenzkampf zu fördern.
Unterrichtsmaterial
Erstelle inklusives Unterrichtsmaterial oder nutze bereits vorhandenes Unterrichtsmaterial auf eine inklusivere Art.
Klassenzimmer
Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten erhalten zusätzliche Unterstützung im Klassenzimmer mit verschiedenen Bereichen, in denen sie gemeinsam aber auch selbstbestimmt lernen können.
Durch Labels entgehen dir viele wunderbare Dinge
Lass uns mit inklusiver Sprache beginnen
Es gibt so viele Eigenschaften, die eine Person definieren. Deshalb sollten sie alle gleichermaßen gesehen werden, ohne dass sie von einer Sache überschattet werden. Wir sind alle unterschiedlich und das ist gut so!
Als Vorbild für deine Schüler*innen solltest du besonders darauf achten, wie du mit Sprache umgehst und wie deine Schüler*innen Sprache verwenden. Eine einzige Eigenschaft sollte eine*n Schüler*in nicht definieren.
Gilt das ohne zu hinterfragen für alle Menschen? NEIN, es gibt viele individuelle Standpunkte zu inklusiver Sprache. Einige Schüler*innen und deren Eltern möchten die jeweiligen Unterschiede womöglich auch sprachlich sichtbarer machen, um sie zu normalisieren. Vor allem innerhalb der autistischen Community wird die Bezeichnung Autist*in / autistische Person anstelle von Person mit Autismus von vielen bevorzugt, da der Autismus als sehr prägende Eigenschaft gesehen wird. Deshalb empfehlen wir immer mit den entsprechenden Schüler*innen und je nach Alter den Eltern zu sprechen, um herauszufinden, mit welcher Bezeichnung sie sich wohlfühlen.
Gilt das ohne zu hinterfragen für alle Menschen? NEIN, es gibt viele individuelle Standpunkte zu inklusiver Sprache. Einige Schüler*innen und deren Eltern möchten die jeweiligen Unterschiede womöglich auch sprachlich sichtbarer machen, um sie zu normalisieren. Vor allem innerhalb der autistischen Community wird die Bezeichnung Autist*in / autistische Person anstelle von Person mit Autismus von vielen bevorzugt, da der Autismus als sehr prägende Eigenschaft gesehen wird. Deshalb empfehlen wir immer mit den entsprechenden Schüler*innen und je nach Alter den Eltern zu sprechen, um herauszufinden, mit welcher Bezeichnung sie sich wohlfühlen.
Wenn du bereits Autor*in bei eduki bist, kennst du vielleicht schon Lola Reeves Garay, Leiterin unseres Content Teams.
Lola beschäftigt sich seit Jahren mit Inklusion und teilt mit euch 3 verschiedene Methoden, mit denen ihr euren Unterricht für alle zugänglich machen könnt.
Es ist wichtig, “Copy & Paste” Unterrichtsstunden zu vermeiden, die nicht an die individuellen Unterschiede der Schüler*innen angepasst sind. Die Einschränkungen entstehen nicht durch Lernschwierigkeiten, sondern durch fehlende Anpassung des Unterrichts.
Bei dieser Methode geht es darum, vorhandenes Wissen von Schüler*innen wieder ins Gedächtnis zu rufen, bevor ein verwandtes Thema begonnen wird. Sie eignet sich also vor allem bei der Einführung von neuen Themen. Dabei wird die Aufmerksamkeit der Schüler*innen angeregt und sie werden von Anfang an involviert.
Ein paar Ideen dazu, wie das in der Praxis aussehen kann, haben wir für dich im nebenstehenden Slider gesammelt.
Das L-Tool kann ganz einfach aus zwei Stücken Papier gebastelt werden, die zu einer L-Form zusammengelegt werden. Jede*r Schüler*in hat sein/ihr Eigenes.
Mit dieser Methode können Texte und Arbeitsblätter für alle Schüler*innen verständlich gemacht werden. Wie das L-Tool in der in der Praxis genutzt werden kann, erfährst du im Video →
Wenn man mit einem Text oder anderen Inhalten arbeitet, hilft es, Fragen zu stellen, damit die Schüler*innen die Informationen besser verstehen können. Mit gezielten Fragen können Schüler*innen eigene Vorhersagen anstellen und damit auf bestehendes Wissen zurückgreifen und ans Thema herangeführt werden, nach dem Lesen oder Hören erzählen, was sie verstanden haben und einen persönlichen Bezug zum Thema herstellen.
Es eignen sich dafür Fragestellungen, die diese 3 Kategorien abfragen:
Mehr Informationen zu Inklusion in der Schule bekommt ihr auch in unserem Podcast. In der “Marktplatzplauderei” haben wir mit Raúl Krauthausen, einem Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit über das Thema “Inklusion in der Schule” gesprochen.
Diese Unterrichtsmaterialien können mit den Tipps & Tricks zur inklusiven Nutzung von Materialien leicht angepasst werden.
Inklusives Unterrichtsmaterial ist Unterrichtsmaterial, dass für alle Schüler*innen angepasst ist - ob mit oder ohne Lernschwierigkeiten. Es geht nicht darum, ein altes Arbeitsblatt einfach zu kopieren (”copy-paste”), sondern sich bei der Unterrichtsvorbereitung Gedanken über die individuellen Bedürfnisse aller Schüler*innen zu machen. Die Zugänglichkeit der Materialien sollte an erster Stelle stehen. Inklusives Unterrichtsmaterial wird nicht nur für Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten genutzt, sondern für die gesamte Klasse. Sodass alle Lernenden die gleiche Unterstützung erhalten. Differenziert man zwischen den Schüler*innen, spricht man von Integration, nicht von Inklusion. Inklusives Unterrichtsmaterial zu erstellen, wirkt auf den ersten Blick zeit- und arbeitsintensiv, ist es aber nicht! Wir unterstützen euch mit Tipps und Tricks dabei, eure Materialien inklusiv zu machen.
Du möchtest inklusive Materialien erstellen, aber bist dir nicht sicher, wo und wie du anfängst oder ob dein Material inklusiv genug ist? Dann bist du hier genau richtig! Manchmal, nachdem man schon mehrere Stunden an einem Unterrichtsmaterial saß, verliert man leicht den Überblick und kann nicht mehr richtig einschätzen, ob das Material wirklich inklusiv ist.
Wir führen dich mit ein paar Tipps Schritt für Schritt durch den Prozess der Materialerstellung.
Zusätzlich gibt es eine praktische Checkliste, die ihr beim Erstellen und Überprüfen eurer Materialien verwenden könnt.
Zusätzlich gibt es eine praktische Checkliste, die ihr beim Erstellen und Überprüfen eurer Materialien verwenden könnt.
Checkliste für inklusive Unterrichtsmaterialien
Genug Platz zwischen den Aufgaben lassen
Aufgabenstellungen nacheinander geben
Weglassen von Hintergrundbildern
Nur notwendige Bilder benutzen
Verwendung einer gut lesbaren Schriftart
Nicht zu viele Farben verwenden
(oder Schüler*innen selbst ausmalen lassen)
Jetzt bist du dran!
Hast du tolles Unterrichtsmaterial erstellt?
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